14.03. – 20.03.2010
Als ich in der letzten Woche kurz vor dem Wochenende in Ouazazete eintraf, erfuhr ich ziemlich bald, dass in Mhamid, was ich am Dienstag verlassen hatte, am Samstag ein großes Treffen der Touareg und Berber stattfinden sollte. Auch der Vertreter der Bezirksregierung würde anwesend sein.
Natürlich mußte ich umkehren, denn dieses Ereignis wollte ich mir nicht entgehen lassen. So fuhr ich Samstag sehr früh wieder in die Wüste. Es sollte sich lohnen. Mit meinem Auto erregte ich großes Aufsehen und als ich an einer Sicherheitskontrolle mein Anliegen in Form eines schon in Deutschland auf französich vorbereiteten Schreibens vortrug, wurde ich einer Körperkontrolle unterzogen und dann zum Bezirksvertreter vorgelassen. Wir führten ein kurzes Gespräch, worin er große Bewunderung für meine Aktion zum Ausdruck brachte und mir noch einige Tipps für Marrakesch gab. Ich wurde zum Tee ins Zelt geladen und anschließend gab es einen Fototermin bei meinem Auto.
Am Sonntag brach ich nach Marrakesch auf. Diese Tour dauerte 13 Stunden und abends um sechs fiel ich todmüde ins Bett. Ich hatte mich in dem Hotel einquartiert, indem Montag abend auch Martine Koch, eine Journalistin und gute Freundin, einchecken würde.
Der Montag war wieder ein ganz normaler Tag für mich. Ich begab mich auf die Suche nach dem Krankenhaus, indem sich die HIV-Station befand und bat um einen Termin in den nächsten Tagen. Dann ließ ich diese wunderbare Stadt auf mich wirken.
Am Dientag konnte ich endlich wieder einmal deutsch sprechen! Ich hatte Martine ja so viel zu berichten. Wir genossen die Stadt, die Sonne und das Leben!
Der Termin im Krankenhaus war wieder einmal sehr interessant. Die Versorgung im Krankenhaus scheint gut zu sein. Allerdings kommen die Menschen zu späteren Terminen nicht mehr wegen der großen Tabuisierung dieser Krankheit. Jeder versucht sie zu verbergen, damit er nicht ausgegrenzt wird. Dies ließ auch in mir wieder Erinnerungen hochkommen. Leider läßt die Aufklärung über diese Krankheit sehr zu wünschen übrig. „In shalah“ – „Mit Gottes Hilfe“ ist die Antwort, die oft zu hören ist. Frauen dürfen sich nicht frei bewegen, sind verschleiert und ungeübt im Umgang mit Männern, gehören praktisch ihrem Mann. Ein offener Umgang mit Sexualität findet nicht statt. Daneben gibt es den Bereich der Prostitution, aber auch hier ist Safersex ein Fremdwort. Zwar versuchen Streetworker die Situation zu verbessern, doch sie sind bekannt und so meidet jeder den Kontakt zu ihnen. Kondome, die sie verteilen, werden nur zögerlich angenommen. Viele Dinge wirken auf mich als Europäer sehr befremdlich.
Im Krankenhaus erfuhr ich auch, dass am Monatsende in Casablanca eine große Afrikakonferenz zum Thema HIV stattfindet. Ich werde natürlich dort sein! Auf diesem Weg möchte ich auch allen Menschen danken, die an mich geglaubt, mich unterstützt und ermutigt haben. Ich habe auf dieser Reise schon sehr tiefe Glückgefühle spüren können und fühle mich pudelwohl mit dem, was ich tue!
